Nachhaltige Landschafts- und Regionalentwicklung „Natur findet Sta(d)t“

Traiskirchen belebt mit eigener Schaf- und Ziegenherde Weidetradition

Traiskirchen belebt mit eigener Schaf- und Ziegenherde Weidetradition
Die Schafe und Ziegen sind Magnete für unsere Jüngsten © Stadtgemeinde Traiskirchen

„Mit der Beweidung holen wir ein fast verlorenes Naturerbe zurück“, so Stadtchef Andi Babler. „Seit den 60er-Jahren gibt es kaum mehr Weidehaltung im Wiener Becken. Die Weidehaltung ist eine uralte traditionelle Form der Landbewirtschaftung, die unser tägliches Leben und unsere Kulturlandschaft maßgeblich mitgestaltet hat. Das soll sich durch diese Initiative im Zuge unseres Umweltprojekts „Natur findet Sta(d)t“ ändern.“

Traiskirchen rekultiviert alte Heidelandschaften

Heiden und Steppenflächen gehören zu den gefährdetsten Lebensräumen in Österreich. Durch die Schaffung von zusammenhängenden Wiesenflächen können sich jahrhundertelang gewachsenen Kulturflächen wieder gemäß ihrem Ursprung entwickeln.

Die Schafe und Ziegen sind als natürliche Rasenmäher im Einsatz und tragen zur Entstehung der ursprünglichen, artenreichen Heideflächen bei, die ein geschützter Lebensraum für eine Vielzahl an Pflanzen und Tieren ist. Die Beweidung fördert die Biodiversität und ist damit ein grundlegendes Element einer nachhaltigen Landschafts- und Regionalentwicklung.

Pädagogisch wertvoll und grünes Lebensqualitäts-Plus

„Abgesehen von den ökologischen Aspekten sind Schafe und Ziegen ein tolles Tiererlebnis für Groß und Klein“, so Stadtchef Babler. „Geplant sind Exkursionen der Traiskirchner Schulen, die den Kindern das Leben von Nutztieren und den damit verbundenen ökologischen Kreislauf ganz natürlich in ihrer unmittelbaren Umgebung näherbringen.“

Beweidungsprojekt

Das sehr turbulente Jahr 2020 geht schön langsam dem Ende zu und wir dürfen auf ein zweites erfolgreiches Jahr unseres Beweidungsprojektes zurückblicken.

Während wir anfangs davon ausgegangen waren, dass die Beweidungssaison maximal 7-8 Monate dauern wird, haben wir bald festgestellt, dass wir je nach Fläche und Tierart eigentlich fast das ganze Jahr hindurch unsere Helfer im Einsatz haben können. Die Schafe sind von Natur aus mit einem dicken Schafwollpullover angezogen, der so gut wie jeder Witterung trotzt und dafür sorgt, dass sich die Tiere bei kälteren Temperaturen sogar wohler fühlen als im Sommer. Die Ziegen sind etwas empfindlicher – sie müssen in der kältesten Zeit in den Stall.

So ist es gelungen, dass wir im Schnitt immer mindestens mit vier Herden, auf das ganze Stadtgebiet aufgeteilt, beweiden konnten. Und das Ergebnis ist ermutigend. Verbrachte und von nur ganz wenigen Gräsern oder Sträuchern dominierte Flächen beginnen sich bereits zu verändern und zusätzliche Arten können Fuß fassen. Auf einer komplett verwilderten Fläche hat sogar wieder eine Wildtulpe geblüht, obwohl sie für viele Jahre überwuchert war.

Aber auch neben der ökologischen Seite dürfen wir uns freuen. Die Schafe und Ziegen sind Magnete für unsere Jüngsten geworden und immer wieder sieht man Kinder voller Freude über die Begegnung mit den vorher fremden Tieren. In diesem Zusammenhang müssen wir aber auch noch einmal darauf hinweisen, dass das Füttern der Tiere verboten ist. Aus mehreren Gründen: So ist das gesündeste Futter einfach jenes, das einfach am Boden wächst. Außerdem führt das Zufüttern von zu nährstoffreichen Leckerbissen dazu, dass das Gras am Boden nicht mehr gefressen, sondern nur mehr zertrampelt wird. Achten wir also gemeinsam auf unsere Helfer und, falls Sie bemerken, dass jemand ungeeignetes Futter wie zB. Brot in das Gehege geworfen hat, bitte verständigen Sie unsern Hirten. Die Kontaktmöglichkeiten hängen immer auf einem Schild am Zaun.

Heidenzauber – Geschützter Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Neben dem Heiden- und Beweidungsprojekt umfasst „Natur findet Sta(d)t“ eine ganze Reihe von Maßnahmen, die zu mehr Klimaneutralität und einem sorgsamen Umgang mit unserer Umwelt beitragen:

  • Pflanzung von heimischen, aber selten gewordenen Obstbaumsorten und Naschsträuchern
  • Renaturierung des Wiener Neustädter Kanals
  • Neophyten-Bekämpfung
  • Ökologisch abgestimmte Mähpläne
  • Verbot von Glyphosat
  • Bewusstseinskampagnen für schützenswerte Tiere und Naturräume