Naturjuwel Wr. Neustädter Kanal

© Stadtgemeinde Traiskirchen

Als der Wiener Neustädter Kanal gebaut wurde, waren bis zu 40.000 Pferde täglich auf der bedeutendsten Nord-Süd-Achse, der Triester Straße, unterwegs. Die notwendige „Transportenergie“ stammte von den großflächig vorhandenen Wiesen und Weiden im Wiener Becken.

Wertvolles Erbe der Natur

Ein Blick auf historische Kartenwerke zeigt, dass sich auf beiden Seiten des Wiener Neustädter Kanals ausgedehnte Wiesenflächen befanden. Von den Bauernhöfen in den Ortschaften wurden die Tiere täglich entlang sogenannter „Weidetriften“ bis zu den weiter entfernten Wiesen und Weiden getrieben. An den Ufern des gerade frisch errichteten Wiener Neustädter Kanals siedelten sich rasch Tier- und Pflanzenarten aus der Umgebung an. Pflanzen wie die Feuchtwiesen-Prachtnelke und das Sumpf-Blaugras, die heute noch an den Ufern des Kanals im Stadtgebiet von Traiskirchen wachsen, weisen schon mit ihrer Namensgebung auf den für sie typischen Lebensraum hin.

Naturschatz am Kanal

Mit dem Beginn des „Erdölzeitalters“ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die tierischen Pferdestärken nach und nach durch Verbrennungsmotoren ersetzt. Wiesen und Weiden verloren an  wirtschaftlicher Bedeutung: Sie wurden trockengelegt, zu Äckern umgewandelt oder verbaut. Nur mehr entlang des Wiener Neustädter Kanals konnten sich letzte Reste dieser besonders artenreichen Lebensgemeinschaften halten. Es ist erstaunlich, welche Vielfalt auf wenigen Quadratmetern vorhanden ist. Am unmittelbaren Gewässerrand leben Arten, die auf eine permanente Wasserversorgung angewiesen sind, so etwa die Sumpf-Schwertlilie. Je weiter die Böschung ansteigt, desto trockener wird der Standort, sodass hier sogar Arten wie das Federgras, das typischerweise in Steppen beheimatet ist, wachsen können.