Stadtgemeinde Traiskirchen

Von der Wiege bis zur Bahre - Ein Blick hinter die Kulissen des Standesamts

Ein Plausch mit Standesbeamtin Ilse Hauser

Ein Plausch mit Standesbeamtin Ilse Hauser
Seit fast 26 Jahren begleitet Ilse Hauser als Standesbeamtin in Traiskirchen die entscheidenden Momente des Lebens – von der Geburt bis zum letzten Abschied – und verleiht ihnen einen rechtlichen wie auch emotionalen Rahmen. Fotos: Schörg / Stadtgemeinde Traiskirchen.

Gemeindepost (GP): Frau Hauser, Sie sind nun schon sehr lange Standesbeamtin in Traiskirchen. Wie lange genau üben Sie diesen Beruf schon aus?
Ilse Hauser (IH): Ja, tatsächlich bin ich schon seit fast 26 Jahren beim Standesamts- und Staatsbürgerschaftsverband Traiskirchen tätig – und ich mag meinen Beruf noch immer sehr! In dieser Zeit habe ich bereits rund 2.300 Ehen geschlossen, das heißt, ich durfte sehr viele Menschen an einem der schönsten Tage ihres Lebens begleiten.

GP: Das ist beeindruckend! Können Sie uns kurz erklären, wie Ihr Aufgabenbereich aussieht und wie groß Ihr Wirkungsbereich ist?
IH: Der Verband umfasst die beiden Gemeinden Traiskirchen und Trumau. Als ich im Jänner 2000 begonnen habe, waren es rund 16.100 Einwohner, die ich personenstands- und staatsbürger-schaftsrechtlich zu betreuen hatte. Mittlerweile sind es etwa 25.300 Einwohner – und das immer noch als Ein-Frau-Abteilung.

 

GP: Sie machen das alles allein?
IH: (lacht) Ja, größtenteils schon. Aber natürlich habe ich im Rathaus drei Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls die Standesamts- und Staatsbürger-schaftsprüfung abgelegt haben. Sie können mich jederzeit im Urlaub oder Krankenstand vertreten.

GP: Welche Aufgaben fallen denn konkret in Ihr Tätigkeitsfeld?
IH: Das ist sehr vielseitig. Am Standesamt werden Geburten beurkundet, Vaterschaftsanerkenntnisse sowie gemeinsame Obsorgeerklärungen entgegengenommen. Da Geburten immer am Ort des Geschehens beurkundet werden, und wir im Verband kein Krankenhaus haben, beurkunde ich hauptsächlich Hausgeburten. Heuer hatten wir sogar eine 300-prozentige Steigerung gegenüber dem Vorjahr – also drei Geburten statt null! (lacht). Dann gibt es natürlich auch kindesnamensrechtliche Erklärungen, also Namensänderungen. Und ein großer Teil meiner Arbeit sind natürlich Eheschließungen.

GP: Das klingt nach viel Verantwortung – und sicher auch nach schönen Momenten! Hat sich in den letzten Jahren etwas verändert?
IH: Ja, definitiv. Die Zahl der Eheschließungen ist in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen – und zwar nicht wegen nachgeholter Hochzeiten aus der Coronazeit. Interessant ist auch, dass mittlerweile viele Paare in den Wintermonaten heiraten. Heuer im November habe ich zum Beispiel so viele Hochzeiten wie sonst in einem typischen Frühlingsmonat. Zur Vorbereitung auf die Eheschließungen muss ich Ermittlungen der Ehefähigkeit durchführen. Früher nannte man das im Volksmund „Aufgebot“. Ich stelle auch Ehefähigkeitszeugnisse nach bilateralen Abkommen aus und nehme ehenamensrechtliche Erklärungen oder Wiederannahmen früherer Familiennamen entgegen.

GP: Zum Abschluss noch ein etwas ernsteres Thema: Auch Sterbefälle fallen in Ihren Aufgabenbereich, richtig?
IH: Ja, das gehört ebenfalls dazu. Ich beurkunde Sterbefälle und stelle internationale Überführungsbewilligungen, sogenannte Leichenpässe, aus. Viele fragen mich oft: „Was ist das überhaupt?“ – Ein Leichenpass wird benötigt, wenn jemand im Ausland begraben werden soll. Damit wird die Überführung der verstorbenen Person offiziell bewilligt.

GP: Sie betreuen also das gesamte Leben – von der Geburt bis zum letzten Schritt.
IH: Genau so ist es. Das macht diesen Beruf so besonders. Ich begleite Menschen in allen Lebensphasen – und das mit viel Herz und Respekt.

GP: Vielen Dank, Frau Hauser, für diesen spannenden Einblick in Ihre Arbeit und für Ihr langjähriges Engagement im Dienste der Bürgerinnen und Bürger!