Fluss-Renaturierung in der Möllersdorfer Au

Für uns ist es bereits zur Selbstverständlichkeit geworden, dass wir direkt in unserer Nähe über einen naturbelassenen Erholungsraum wie die Wienersdorfer bzw. die Tribuswinkler Au verfügen. Tatsächlich ist jedoch dieser Flussabschnitt eigentlich der letzte Bereich im Industrieviertel und darüber hinaus, wo ein Fluss seine natürliche Dynamik mit Altarmen, Schotterbänken, Kolken und Schnellfließstrecken ausleben darf. Aus diesem Grund ist diese – für uns – Selbstverständlichkeit in Wirklichkeit eine Besonderheit, viel mehr aber noch ein Wegweiser und eine Mahnung.

Begradigung im Trend der Zeit

Denn beginnend mit dem 19. Jahrhundert haben wir bis heute so gut wie alle Flussläufe Österreichs begradigt, verlegt, eingeengt und vor allem landwirtschaftlich nutzbar gemacht, so auch in Traiskirchen. Es ist fast schon als Wunder zu bezeichnen, dass die schon in den 70ern geschmiedeten Pläne zur Regulierung der Wienersdorfer und Tribuswinkler Au von Bürgermeister Fritz Knotzer in den 80er Jahren gestoppt wurden und er diesen so wertvollen Flussabschnitt gerettet hat. In der Zwischenzeit hat sich glücklicherweise vieles verändert und die Menschen haben die Wichtigkeit von Flüssen und ihren Auen erkannt. Nun geht es daran, die in über 150 Jahren entstandenen Strukturen wieder in einen Zustand zurückzuführen, der Mensch und Natur berücksichtigt.

Ein gezähmter Fluss wird wieder wild

Im Bereich der Stadtrandsiedlung wurde die Schwechat durch große Flussbausteine in ein geradliniges Bett gezwungen, mit allen Nachteilen für Tier und Mensch, die wir kennen: Verlust von Lebensraum, Eintiefung, Verlust von Grundwasser und nicht zuletzt auch den Verlust von Rückhalteflächen im Falle eines Hochwassers. In den nächsten Wochen setzen wir an diesem Flussabschnitt einen ersten Schritt, um der Schwechat wieder ein Stück ihrer Natürlichkeit und Wildheit zurückzugeben. Die großen Flussbausteine werden entfernt und zwei bis drei Buhnen werden einen ersten Stupser zur Entwicklung in einen naturnahen Flusslauf geben.
Und dann heißt es warten, bis die Schwechat sich ihren eigenen Lauf sucht und damit vielen Pflanzen- und Tierarten ein neues Zuhause gibt. Etwas, was sie an dieser Stelle schon lange nicht mehr tun durfte.

Visualisierung der Schwechatau in Möllersdorf im aktuellen Zustand und nach Abschluss der Revitalisierung

„Netzwerk der Artenvielfalt“ im Rathaus Traiskirchen

Im Rahmen dieses Projektes ist im Traiskirchner Rathaus die Wanderausstellung „Netzwerk der Artenvielfalt“ zu sehen. Die Ausstellung begleitet Eisvogel & Co auf ihren Wanderungen im Projektgebiet des Alpen-Karpaten-Flusskorridors und verdeutlicht anhand der umgesetzten Maßnahmen, wie diese tierischen Botschafter unterstützt werden können. Denn durch die hochdynamische wirtschaftliche Entwicklung gerät Fauna und Flora immer mehr unter Druck: Habitate von Eisvogel, Würfelnatter und mehr werden zerstört bzw. zerschnitten, sodass wichtige Wanderkorridore zwischen lokalen Schutzgebieten fehlen. „Mithilfe der Ausstellung wollen wir die lokale Bevölkerung über die Artenvielfalt in der Schwechatau informieren und für die Umsetzung der Revitalisierungen sensibilisieren“, erklärt Anja Adelmann, die in der Stadt als Umweltpädagogin aktiv ist.

Kleine Maßnahmen für mehr Lebensqualität

„Jede noch so kleine, erfolgreich umgesetzte Maßnahme hilft der Natur und steigert außerdem die Lebensqualität der Bevölkerung“, ergänzt Bürgermeister Andreas Babler und führt aus: „Gerade in Zeiten der  Klimadiskussion ist es wichtig, Flüsse und ihre begleitenden Auen zu erhalten und zu renaturieren. Intakte Naturräume sind für uns Menschen unerlässlich, als Naherholungsraum, Klimaregulator, sowie Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Deshalb setzen wir laufend Umweltschutzmaßnahmen um und unterstützen Ökologisierungsprojekte wie in der Schwechatau.“

Wanderausstellung in Traiskirchen

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich im Zuge dieser neuen Wanderausstellung näher über das INTERREG-Projekt zum Alpen-Karpaten-Flusskorridor informieren. Die Ausstellung ist noch bis 17. Februar zu Gast im Rathaus von Traiskirchen und kann hier zu den Öffnungszeiten besichtigt werden. Danach wandert die Ausstellung weiter und wird dann auch in der Neuen Mittelschule Traiskirchen und im BiZENT Arkadia zu sehen sein.