GP: Herr Loos, Sie sind besonders beeindruckt von den Ehrenamtlichen und dem Museum selbst.
Loos: Absolut. Die Freiwilligen machen das Museum zu dem, was es ist. Jeder zeigt hier „sein“ Museum, jede Sammlung erzählt eigene, ganz persönliche Geschichten. Mich begeistert diese Vielfalt – vom Feuerwehrmuseum bis zur alten Ladenzeile, aber auch Juwele wie die Polizeikappen-Sammlung.
GP: Was verändert sich für die Besucher:innen?
Fürtsch-Loos: Ein wesentlicher Punkt ist der neue Haupteingang, künftig zwischen dem Hauptgebäude und den Shedhallen situiert. Damit wird das gesamte Areal besser erschlossen. Zudem wäre von hier aus eine direkte fußläufige Verbindung zur Aspangbahn-Haltestelle sowie eine Anbindung an den neuen Radweg denkbar. Herzstück wird ein neues Forum sein. Für einen barrierefreien Zugang wird es einen Liftturm geben, an den auch eine Fluchtstiege andockt.
Loos: Das Museum wird dadurch offener und zugänglicher. Uns war wichtig, dass die verschiedenen Bereiche gleichwertig erreichbar sind – besonders auch das Feuerwehrmuseum. Das gesamte Areal soll stärker miteinander verbunden werden.
GP: Sie sprechen oft davon, dass das Gebäude selbst Teil der Ausstellung ist.
Loos: Ja. Das Haus ist eigentlich auch ein Ausstellungsstück. Es erzählt mit jedem Detail von seiner Geschichte. Während der Arbeiten stoßen wir immer wieder auf Überraschungen: historische Holzwände, frühere Durchgänge oder Fenster, die über Jahrzehnte verborgen waren. Das Gebäude hat im Lauf der Zeit einige Schrammen abbekommen, die wir als Zeugen der Zeit, als „Narben“ bewusst sichtbar machen.
Fürtsch-Loos: Vieles konnten wir bereits anhand historischer Pläne und Dokumente vermuten. Eine wahre Fundgrube ist für uns die Assecuranz-schätzung, ein Buch aus 1903 in dem sämtliche Gebäude des damaligen Areals mit Zustand und Wert verzeichnet sind.
GP: Was macht das Gebäude architektonisch so besonders?
Loos: Es handelt sich um das letzte erhaltene Industriedenkmal dieser Art in Traiskirchen. Das Gebäude wurde 1824 errichtet und besitzt eine außergewöhnlich robuste Holzkonstruktion über drei Geschosse. Die tragenden, hohlen Holzstützen, -träger und -träme – allesamt über 200 Jahre alt – sind laut Statiker noch immer vollkommen intakt. Auch beim Brandschutz entspricht diese Bauweise heutigen Standards.
GP: Welche Rolle spielt künftig das Erdgeschoß?
Fürtsch-Loos: Dort entstehen alle Räume, in denen Mitarbeiter:innen wie Besucher:innen sich länger aufhalten: Büros, Vermittlungs- und Workshop-bereiche sowie ein Projektraum für die Ehrenamtlichen und konsumfreie Aufenthaltsbereiche im Foyer. Dadurch kann gezielt nur diese Ebene stärker beheizt werden, was langfristig Energiekosten spart. Außerdem entstehen barrierefreie Sanitär-anlagen, die bei Veranstaltungen im Kammgarnareal auch von außen zugänglich sein werden.
GP: Und wie sieht die Zukunft des Museums aus?
Loos: Das Museum soll ein lebendiger Ort werden. Kein stilles Archiv, sondern ein Treffpunkt für Menschen und Geschichten. Die neue Dauerausstellung zur Stadtgeschichte wird ab 2027 in der Säulenhalle – dem zukünftigen „Forum“ – untergebracht sein. Dort werden auch Veranstaltungen stattfinden.
Fürtsch-Loos: Die Zukunft des Museums ist interaktiv und partizipativ. Genau dafür schaffen wir jetzt die räumlichen Voraussetzungen.
Die ehemalige Kammgarnspinnerei in Möllersdorf
Mit Margot Fürtsch-Loos und Siegi Loos, Wolfgang Kos und Karin Neschi-Rektorik
Sonntag, 14. Juni 2026 um 13 Uhr
Museum Traiskirchen
Bitte um Anmeldung:
T 01/319 77 15, M office@oegfa.at
Eine Kooperation mit ORTE