GP: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?
Wölfl: Ein ganz großes Thema ist der digitale Kinderschutz. Kinder kommen immer früher mit digitalen Medien in Kontakt – oft ohne ausreichende Begleitung. Das kann die Entwicklung beeinträchtigen, zu Schlafproblemen oder psychischen Belastungen führen. Gleichzeitig gibt es im Internet auch konkrete Gefahren wie Mobbing, Erpressung oder das Verbreiten von intimen Bildern. Hier müssen wir als Erwachsene dranbleiben, auch wenn wir die digitalen Lebenswelten oft nicht so gut kennen wie die Kinder selbst.
GP: Wie kann man im Alltag reagieren, wenn man das Gefühl hat, einem Kind geht es nicht gut?
Wölfl: Das Wichtigste ist, aufmerksam zu sein. Hinschauen, zuhören und ansprechbar sein. Wenn sich ein Verdacht erhärtet oder es um ernsthafte Situationen geht, sollte man sich Unterstützung holen – etwa bei der Kinder- und Jugendhilfe oder bei einer Kinderschutzeinrichtung wie der „möwe“. Niemand muss solche Situationen alleine lösen.
GP: Wie unterstützt die „möwe“ die Stadt konkret?
Wölfl: Wir begleiten die Stadt dabei, Kinderschutzkonzepte zu entwickeln – also klare Regeln und Handlungsleitfäden zu erstellen. Das gibt Sicherheit für Mitarbeiter:innen, etwa im Umgang mit Verdachtsfällen. Zusätzlich bieten wir Beratung, Therapie und auch Prozessbegleitung an, wenn es notwendig wird.
GP: Können Sie ein einfaches Beispiel aus der Praxis nennen?
Wölfl: Kinderschutz betrifft alle Lebensbereiche – auch Vereine oder Freizeitangebote. Wenn etwa ein Kind in einem Sportverein gemobbt oder ausgeschlossen wird, ist es wichtig, dass Erwachsene eingreifen, klare Grenzen setzen und Unterstützung holen. Es geht immer darum, ein respektvolles Miteinander sicherzustellen und Kinder vor Übergriffen zu schützen.
GP: Warum ist es so wichtig, offen über dieses Thema zu sprechen?
Wölfl: Gewalt an Kindern ist ein sehr sensibles Thema und wird oft verdrängt. Genau das müssen wir überwinden. Je offener wir darüber sprechen, desto besser können wir hinschauen und handeln. Kinderschutz beginnt bei Bewusstsein – und bei der Entscheidung, nicht wegzusehen.
"Kinderschutz bedeutet, hinzuschauen, zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen – überall dort, wo Kinder sind. Der wirksamste Kinderschutz ist die Prävention – wenn wir Risiken früh erkennen, müssen Kinder belastende Erfahrungen gar nicht erst machen". so Magistra Hedwig Wölfl. Psychologin, Psychotherapeutin und Geschäftsführerin “die möwe”